Projekt zur Abferkelbucht "Pro- Sau"

Der Kastenstand in der Abferkelbucht sorgte in den vergangenen Jahren immer wieder für Diskussionen. Die 1. Tierhaltungsverordnung wurde daher am 9. März 2012 novelliert, die überarbeitete Verordnung bringt einige Veränderungen mit sich. Die Sauen dürfen in Zukunft nur mehr zeitweise fixiert werden, neue Mindestabmaße der Buchten wurden festgelegt. Da die neue Verordnung eine Forschungs- und Entwicklungsphase für neue Abferkelbuchten vorsieht, wurde das Projekt "Pro-SAU" gestartet.

Giesshuebl 30 KLDie überarbeitete Verordnung sieht dabei unter anderem vor, dass spätestens ab 1. Jänner 2033 Sauen im Abferkelbereich nur noch zeitweise, d.h. bis zum Ende der kritischen Lebensphase der Ferkel, fixiert werden dürfen. Die Abferkelbuchten müssen außerdem eine Mindestfläche von 5.50 m2 sowie eine Mindestbreite von 160 cm aufweisen. Diese und weitere der geänderten Vorschriften werfen zahlreiche Fragestellungen in Bezug auf Tiergerechtheit, bauliche Gestaltung, Arbeitswirtschaft sowie ökonomische und ökologische Wirkungen auf. Derzeit gibt es erst wenige Haltungssysteme, welche die in der Verordnung festgelegten Anforderungen erfüllen. Zudem sind solche Systeme kaum verbreitet, sodass es nur geringe Erfahrung und Berichte aus der Praxis dazu gibt.

Die 1. Tierhaltungsverordnung sieht daher eine Forschungs- und Entwicklungsphase für neue Abferkelbuchten bis Ende 2017 vor. Vom BMLFUW und Bundesministerium für Gesundheit wurde in diesem Zusammenhang im Herbst 2013 das Projekt „Pro-SAU“ in Auftrag gegeben. Das Projekt „Pro-SAU“ hat alternative Verfahren sowie Adaptierungen der bestehenden Abferkelbuchtsysteme im Sinne des Tierschutzes zu entwickeln. Insbesondere ist es erforderlich, die Dauer der kritischen Lebensphase der Saugferkel zu erheben. Darüber hinaus sind ökonomische, arbeitstechnische und ökologische Auswirkungen der Abferkelsysteme unter Berücksichtigung der Entwicklung des europäischen Binnenmarktes Teil der Untersuchungen.

Neben den beiden Ministerien, der Veterinärmedizinische Universität Wien, den Landwirtschaftskammern, dem LFZ Raumberg- Gumpenstein, der BOKU Wien und der AGES Graz wirkt auch der Verband Österreichischer Schweinebauern am Projekt mit. Im Rahmen des Projekts „Pro- SAU“ ist es notwendig, folgende Ziele zu verfolgen:

Den internationalen Markt nach Abferkelsystemen im Sinne der Forderungen der 1. THVO sondieren – also Wissensaufbau leisten.

• Am Markt vorhandene Abferkelbuchten nach verschiedenen Kriterien auf Praxistauglichkeit beurteilen bzw. praxistaugliche und wirtschaftliche  Abferkelbuchten im Rahmen der konkreten Anforderungen laut Verordnung entwickeln.

• Ausgewählte Systeme unter verschiedenen Gesichtspunkten in Praxisbetrieben testen.

 Einbindung der nationalen und internationalen Wissenschaft, um den Anforderungen der 1. THVO gerecht zu werden.

 Kooperation mit heimischen Stallbaufirmen, um Weiterentwicklungen durchführen zu können – also Entwicklungsarbeit fördern.

 Mittel- und langfristig die Umsetzung der Verordnungsänderung in Österreich durch eine fundierte Beratung zu unterstützen.

 Eine Akzeptanzsteigerung in der Gesellschaft für die konventionelle Schweinehaltung durch die Erforschung und Umsetzung neuer Abferkelsysteme zu erreichen.

Durch die Kooperation mit den angeführten Projektpartnern ist es möglich, dem Ziel einer möglichst praxisnahen Evaluierung und Entwicklung von Stallsystemen nachzugehen. Dabei werden von den Projektpartnern bestimmte Teilprojekten mit unterschiedlichen Fragestellungen bearbeitet. Diese sind:

 Praxisprojekt der LK Österreich, unter der Leitung von DI Johann Stinglmayr, LK OÖ

 Projekt LFZ Gumpenstein, unter der Leitung von DI Birgit Heidinger

 Projekt VetMeduni Wien, unter der Leitung von Prof. Dr. Johannes Baumgartner

An den Standorten LFS Hatzendorf (Stmk), Schweinezentrum Gießhübl (NÖ) sowie im Schweinebetrieb der VetMed Uni Wien in Medau (NÖ) werden in weiterer Folge neue Systeme, wie beispielsweise in Abbildung 1 ersichtlich, eingebaut und getestet.

Im Teilprojekt der LFZ werden insgesamt vier unterschiedliche Buchtentypen untersucht, drei davon wurden von den Landwirtschaftskammern entwickelt, ein Typ entstammt einem Vorschlag der VetMeduni Wien („Swap-Bucht“). Im Versuchsbetrieb der VetMeduni Wien in Medau werden im Rahmen des Projekts ebenfalls zwei Typen des LK-Projekts, die „Swap-Bucht“ und zusätzlich der Buchtentyp „Pro Dromi“ getestet.

Neben diesen Versuchsstandorten werden für die Erhebungen im Rahmen des LK-Projekts in Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark jeweils drei Praxisbetriebe ausgewählt, die einen Um-, Zu- oder Neubau im Abferkelbereich planen. Die Einbeziehung dieser Betriebe ist von besonderer Bedeutung, um die neu entwickelten Abferkelsysteme zu testen und die persönlichen Erfahrungen der Landwirte mit diesen erheben zu können.

Abbildung 1: drei Abferkelbucht- Varianten mit mind. 5.5 m2 Grundfläche (Quelle: VÖS Magazin 4/2013)

Abferkelbuchtensysteme

Erhoben werden in weiterer Folge sowohl Aspekte des Tierwohlergehens (Verhalten, Tiergesundheit, Ferkelverluste) als auch die Bereiche Ökonomie (Biologische Leistungen, Wirtschaftlichkeit) und Arbeitswirtschaft (Arbeitszeitbedarf, Handhabung, Bedienungsfreundlichkeit).

Ein wesentlicher Teilaspekt ist dabei die Untersuchung der kritischen Lebensphase der Saugferkel. Die maximal notwendige Fixierungsdauer der Sau zum Schutz neugeborener Ferkel soll damit ermittelt werden.

Der Ablauf des Projektes und Ausblick:

 1. Quartal 2014: Einbau der Buchten in den Forschungsbetrieben Gießhübl, Hatzendorf und Medau.

 Bis Mai 2014: Vorversuchsphase in den drei Versuchsstandorten zur Schaffung standardisierter und funktionssicherer Versuchsbedingungen hinsichtlich des Stallklimas, der Tierbetreuung (Personalschulung) und der Videotechnik.

Update: Das Projekt hat diese Startphase durchlaufen und ist nun seit einigen Wochen in die Forschungsphase eingetreten.

 Frühjahr 2014: Start der Umbauarbeiten in den Praxisbetrieben mit anschließender mehrmonatiger Einarbeitungsphase und nachfolgender ca. eineinhalbjähriger Hauptversuchsphase (bis ca. Juni 2016).

Update: Die für das Frühjahr 2014 geplanten Umbauarbeiten auf Praxisbetrieben sind abgeschlossen. Auf 8 Praxisbetrieben werden nun die Buchten getestet.

 Mai 2014 – Juni 2016: Hauptversuchsphase VetMed- und LFZ Projekt.

 Ende 2016: Berichtlegung aller Teilprojekte.

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Quellen:

1. Tierhaltungsverordnung, Fassung vom 08.07.2014.

Heidinger Birgit (2013). Vorstellung des Projekts zur Evaluierung von Abferkelbuchten. Bautagung Raumberg-Gumpenstein 2013.

Heidinger Birgit (2014). Pro-SAU: Gemeinsam an der Abferkelbucht der Zukunft forschen. Tagungsbandbeitrag Schweinefachtage in Hollabrunn, Wieselburg und St. Andrä.

Heidinger Birgit und Stockinger Franz Xaver (2013). Projekt „Neue Abferkelbucht“- aktuelle Informationen. Oberösterreichische Schweinetage 2013.

Stinglmayr Johann (2013). Praxisprojekt – Weiterentwicklung bestehender Abferkelbuchten. VÖS Magazin 4/2013.

Stinglmayr Johann (2014). Pro-SAU Aktueller Projektstand. VÖS Magazin 3/2014.

Stockinger Franz Xaver (2014). Pro-SAU: Forschungsprojekt zur Evaluierung neuer Abferkelbuchten. Der Bauer- Zeitung der Landwirtschaftskammer Oberösterreich, 5/2014.